3GO
Sieben Mal wurde im Jahr 2002 die Dreigroschenoper in der Maschinenfabrik Majer in Tübingen aufgeführt. Hier gibt es noch alle Infos dazu!
Dieter Thomas Kuhn glänzte als Moritatensänger, musikalisch inszeniert von Philipp “Howie” Feldtkeller. Die Aufführung am 05. Oktober musste, wie auch die weiteren abgesagt werden.
Der Rechteinhaber, der Suhrkamp Verlag, untersagte die weiteren Termine. Genauere Gründe finden sich in den Presseberichten unter ‘Presse’.
Weills Songs wurden vom 18.-20.10. und 23.-26.10. von Dieter Thomas Kuhn und der Dreigroschen-Kapelle noch einmal aufgeführt.
Streams von den Theateraufführungen hat Cityinfonetz zur Verfügung bereit gestellt -> hier.
Das 3GO-Interview
Am 24.09.2002 hatte ich die Gelegenheit, bei der Generalprobe der Dreigroschenoper in Tübingen dabei zu sein. Nach dem wirklich tollen Stück, das musikalisch und schauspielerisch sehr zu überzeugen wusste, hat sich der Moritatensänger für meine Fragen alle Zeit der Welt genommen. Danke! Danke auch an Saskia für die Unterstützung beim Fotografieren.
Hallo Dieter Thomas Kuhn. Erst mal herzlichen Glückwunsch. Ich bin tief beeindruckt von Eurer Dreigroschenoper.
Dieter Thomas Kuhn: Freut mich, dass es Euch gefallen hat.
Übermorgen ist Premiere. Bis Du jetzt aufgeregt?
Dieter Thomas Kuhn: Wenn ich ehrlich bin, ist das ganz schön … also als alter Hase da Neuland zu betreten, da zittert mir dann ganz schön das Bein, wenn ich da bei der Premiere rausgehe. Also im Augenblick ist es halt so, dass wir die ganze Halle noch machen und vorbereiten und den ganzen Kleinkram noch machen, der da angefallen ist. Da kam gar nicht so das Gefühl auf, dass wir bald auf der Bühne stehen, weil wir hier eigentlich mehr gearbeitet haben und die Probe lief mehr nebenher. aber ich denke morgen wird mir das sicherlich bewusst werden. Am Donnerstag sicher noch mehr.
Aber einen sicheren Eindruck habt Ihr heute Abend alle gemacht?
Also, ich hätte jetzt auch nicht gedacht, dass das mir so viel Spaß bringt und dass ich mich in der Rolle auch so wohl fühle und im Prinzip agieren kann, wie ich möchte, weil der Regisseur mir nie gesagt hat, was ich machen soll. Er hat einfach gesagt: ‘Mach es’.
Das war auch der Punkt als er mich damals gefragt hat: ‘Mach es einfach, mir würde es gefallen, wenn Du diese Rolle übernimmst’ und da hab ich gesagt, okay, ich mach es einfach!
Ich hab auch gemerkt, dass mir das Spaß macht und dass es mir auch unglaublich viel Spaß macht mit den Schauspielern, weil es ne ganz andere Nummer ist.
Wann und wie ist denn die Idee überhaupt entstanden?
Klaus Metzger, der ja das Ganze inszeniert, und ich, wir kennen uns schon seit ein paar Jahren. Die Idee, dass wir zusammen mal Theater machen, die Stand im Raum. Er hat gesagt: “Ou, Kuhn, ich dät gern mal Theater und Musik zusammenführen.” Und dann gabs ja im Januar das Angebot von der Stadt Tübingen das Sommertheater zu machen, was auch in der Planung war und deswegen haben wir ja auch angefangen daran zu arbeiten. Und dann gabs ja diesen Streit mit Oberbürgermeister und dem Klaus Metzger und das ist ja flachgefallen.
Philipp und ich haben darauf gesagt wir sind soweit in unserer Arbeit, dass wir nicht sagen können, dass ist jetzt alles gewesen. Also war klar, wir machen weiter. Dann habe wir diese Halle gefunden, eine gruslige Fügung, diese Halle, die dann plötzlich leer stand und in der wir uns bewegen können, wie wenn wir zu Hause wären. Und so ist das Eine zum Anderen gekommen, indem wir gesagt haben, wir machen das auf eigene Faust, gerade auch aus dem Streit heraus, dass die Stadt Tübingen dieses kulturelle Unternehmen blockiert hat.
Nicht nur wir, sondern die Schauspieler waren schon engagiert und standen auf der Matte, da haben wir gesagt, so können wir das nicht stehen lassen. Und jetzt isses soweit (lacht).
War das von Anfang an klar, dass Du bloß singst und nicht schauspielerst?
Das war klar.
Der Moritatensänger hat ja eigentlich nur eine kleine Rolle in der Dreigroschenoper. Die Songs werden ja normalerweise von den Schauspielern gesungen. Die Idee war aber, den Kuhn alle Songs singen zu lassen und das war auch der Reiz für mich, nicht nur als Moritatensänger und als kleiner Nebendarsteller aufzutreten. Ich bin sicherlich auch nur ein Nebendarsteller in der ganzen Geschichte, wobei in der Zwischenzeit der Moritatensänger natürlich auch eine größere Rolle bekommen hat.
Aber das Schauspiel steht für mich an gleicher Stelle wie die Musik.
Wie kommt es, dass Du bei einem Lied aus der Lektüre ablesen musstest?
Warum ich das im Augenblick runterlese, ist die Sache, dass ich nicht wusste, dass dieses Lied gesungen wird. Eigentlich sollte es gesprochen werden und ich bin davon ausgegangen, dass ich nur die zweite Strophe singe und den Text hab ich einfach noch nicht in petto.
Der Name ‘Dieter Thomas Kuhn’ wird aber doch als Aushängeschild verwendet? Da gabs ja mal die Geschichte, dass der Dieter weg fällt und dann ist er auf einmal wieder da?
Das ist richtig. Es war eben so ne Zeit, wo man einfach sagte, nach Dieter Thomas Kuhn haben wir gedacht es muss anders werden, die Ära ist abgehakt, aber für die Leute bin ich immer noch der Dieter Thomas Kuhn. Das war ich jetzt die ganzen Jahre und der bin ich eben. Wir hätten genauso die rote Platte ‘Dieter Thomas Kuhn’ nennen müssen, dann wäre das gescheiter gewesen. Irgendwann kapiert man halt mal was und dann ist man schlauer.
Und irgendwann siehst Du, dass irgend welche Dinge falsch gelaufen sind. Den Versuch, Namen abzulegen, dass hat man ja in der Geschichte der Popmusik schon oft gesehen, ich denke an Prince, der meinte er müsste nicht mehr Prince heißen; alles Blödsinn.
Für die Leute hier in Tübingen oder wenn ich in Hamburg bin, da bin ich einfach der ‘Dieter’, der ‘Dieter Thomas’, anscheinend bin ich der.
Aber Du bist ja auch noch der Tom Chicken? Wie kommt es dazu?
(lacht) Das muss ich jetzt natürlich erklären auf dieser Seite.
Also Chicken heiße ich bei allen meinen Kumpels und bei den Musikern. das hat eine ganz einfache Geschichte: Als ich damals Gitarrenunterricht hatte, hatte ich einen Gitarrenlehrer, der das ganz komisch fand: “Kuhn - Huhn. Ah Tom Chicken, Du heißt doch mal Tom Chicken.” Das habe ich dann einem Kumpel erzählt und seither heiße ich nur noch Chicken. Dadurch damals auch dieser Name für diese Intermezzo Band “Tom Chicken und die Wurmlinger Kapelle”.
Noch mal zur Dreigroschenoper. Ich prognostizier’ Euch einfach mal einen riesen Erfolg.
Meinste da gibts mal ne Platte dazu?
Wir arbeiten daran, dass diese Sachen auf Platte gebannt werden und dass sie zum Verkauf stehen. Im Augenblick gibt es natürlich noch keine Platte, weil es noch keine Rechte gibt.
Dein neues Outfit, ich muss Dich darauf ansprechen, wow!
Früher warst Du der Schlagergott im Goldanzug oder in verschiedenen anderen Anzügen. Bei der Null/Eins Sache wars auch einfach .. ja geil, einfach! Im Interview mit der Stuttgarter Zeitung hast Du gesagt, dass Ihr Euch überlegt habt, ob Du mit der Fönwelle hier auf die Bühne kommst.
Das war mal so ein kurzer Gedanke, ja. Aber eigentlich wollte ich es nicht hier in diesem Rahmen aufleben lassen, ich bin zum Schluss gekommen, dass es ein Theaterstück ist und ich da sicherlich eine tragende Rolle habe in dieser Art wie ich den Moritatensänger hier mache. Es war eher ein Gag und es wäre lustig für die Leute, aber das gehört nicht ins Theaterstück.
Vor einem Jahr wurdest Du immer wieder gefragt: „Spielt Ihr im Null/Eins Repertoire auch die alten Sachen?“ und Du hast bejaht mit der Begründung, die Vergangenheit nicht unter den Teppich kehren zu wollen. Immer wieder wirst Du bis heute noch gefragt, ob Du die Schlager wieder mal spielst. Da antwortest Du meist nach dem Motto ‘man soll nie nie sagen’.
Wie würde es dann ausschauen? Wären dann auch Lieder aus dem Null/Eins Repertoire dabei?
Das wäre natürlich auch dabei. Ich habe immer gesagt, die Null/Eins ist ne Platte, auf der die Songs toll sind. Aber irgendwas hat halt nicht geklappt im Rahmen dieser Tour, dieses Comeback, irgendwas war faul, so dass wir sagen mussten, jetzt müssen wir einen Bruch machen.
Ich weiß nicht, wie soll man das erklären? Es war nicht der Grund, dass ich gemerkt habe, dass kommt bei einigen alten Fans nicht so an. Es war einfach irgend ein Gefühl, da stimmt was nicht.
Viele sagen ja auch immer wir sind im Streit auseinander und einige Fans waren bestimmt sauer. Aber es ist wie mit einer Beziehung, wenn du fünf Jahre oder zehn Jahre eine super Zeit hattest und irgendwann merkst Du, da kommt aber nichts mehr und das war mit auch ein Punkt wo ich gemerkt habe, da ist alles nicht mehr so in sich.
Wie gesagt, ich stehe zu der Platte und ich finde sie klasse; nicht jeden Song finde ich gut, aber die Platte insgesamt ist gut. Und ich sage immer, wenn ich mit der Wurmlinger Kapelle wieder spielen werde, werde ich von der Null/Eins Platte spielen, natürlich. Das sind Songs, die mir ans Herz gewachsen sind und die ich liebe und dass ich mit der Wurmlinger Kapelle dann zwischendurch ein paar alte von mir spiele, das wird sicherlich passieren.
Wann können wir damit den rechnen?
Ohh, da will ich jetzt keine Prognosen abgeben. Wir sind jetzt erst mal so in dem Dreigroschenprojekt drin und die Wurmlinger Kapelle ist ja quasi fast identisch mit der Drei…
.. ja auch vom Outfit her …
ja fast, ja. Die Songs sind ja auch parat, wir können natürlich jederzeit loslegen und da würden wie gesagt, auch alte Songs gespielt werden, klar.
Ein Song, den ich dann unbedingt von Dir hören möchte, und ich glaub das wollen auch wirklich viele, ist ‘Ich hab mich verliebt’. Das Lied muss auf Platte her!
Ja, ich denk mal drüber nach.
Zum Abschluss zur Tom Chicken Seite. Hast ja auch mal nen Eintrag ins Gästebuch gemacht und geschrieben, dass sie Dir gut gefällt. Gehst Du regelmäßig drauf?
Ja klar. Logisch. Natürlich, beobachte ich das.
Es ist ja auch bekannt, dass ich eigentlich kein Freund des Internets bin. Natürlich nutze ich das Internet oft. Aber weißt Du, auf unserer offiziellen Page ist etwas passiert, was ich verabscheue. Es gab dann plötzlich persönliche eMail Adressen für die Musiker, es konnte jeder hinschreiben. Im Gästebuch ließ ja schon jeder seinen Senf ab und das auf einem Niveau, dass ich das Gästebuch schließen lassen musste, weil mich das nicht interessiert, wenn Leute persönlich werden aufgrund einer Informationsquelle, die man da frei liegen hat aufgrund einer eMail Adresse, bei der man Menschen anschreiben kann. Die Leute vergessen, dass eine eMail theoretisch eine Scheiße ist. Ein Brief, der ist persönlich. Ne eMail kannste einfach weglöschen, Du kannst auch einen Brief wegschmeißen, klar, aber das wird man seltener tun.
Im Gästebuch sind immer mehr Beleidigungen aufgekommen, dass brauch ich nicht. Das ist nah an mir dran und doch nicht. Da schreiben mir Leute die ich nicht kenne, persönliche Dinge, die beleidigend sind. Ich hab gesagt, so was will ich nicht, im offiziellen Sinne. Da fühle ich mich schon angegriffen. Es muss ja nicht dauernd der Honig um den Bart sein, darum gehts mir ja nicht, aber es ist ne Fanpage und entweder treffen sich da die Leute oder nicht. Und da hab ich schon mein Problem damit gehabt. Das wird ja dann auch persönlich. Wenn Du das Ding liest, dann denkste, “Sag mal, ja bin ich so ein Schwein?”.
Aber ich beobachte die Tom Chicken Seite und ich bin erfreut drüber, dass Du immer informiert bist.
Letzte Frage: Hast Du damals die Dreigroschenoper in der Schule durchnehmen müssen?
Ganz weit weg. Ich glaube, es war mal da und ich hab mich wohl eher durchgekämpft und hatte nicht wirklich Interesse. Glaub schon, dass es mal dran war (lacht),
Vielen Dank fürs Interview und viel Glück bei den Aufführungen. Tschüss, Chicken!
